Geschichtlicher Hintergrund (Teil II)

Auch wenn der vorhin geschilderte Bankrott der französischen Bank auf den ersten Blick nun so aussieht als wäre das Projekt gescheitert, motivierte das andere Banken das Konzept voranzutreiben. Es hatte nämlich gezeigt, dass ausreichend Interesse in der Bevölkerung da war. Man musste eben nur seine Ausgaben besser im Blick haben oder mit Hilfe anderer Aktionen mit subventionieren.
Ein Fehler bei der französischen Bank war nämlich auch, dass sie das Kreditgeschäft total aufs dem Auge verloren.
Außerdem hatte sich eines gezeigt: Vor allem Unternehmen fanden die Anlagemöglichkeit sehr interessant, da sie ihr Kapital ohne Verluste oder Bindung lagern konnten. Denn wollte man kurzfristig eine Investition machen, waren Fonds oder das gute alte Sparbuch eher ungeeignet. Ab dem Beginn des neuen Jahrhunderts wurde eine Direktbank nach der anderen gegründet und alle spezialisierten sich vor allem auf die Form des Tagesgeldkontos. Besonders gut war die Konkurrenz für den Kunden und die Kundin. Denn durch den Druck der Banken immer bessere Konditionen zu gewähren, stiegen natürlich auch die Guthabenzinsen stetig an. Das ganze fand seinen Höhepunkt im Oktober 2008, wo bei einigen Banken die Zinsen sogar 4,25 Prozent betrugen. Das war ein wirklicher Spitzensatz. Zwar nicht so hoch wie die damaligen sechs Prozent, aber das dieser Prozentsatz unrentabel war, hatte man in der Geschichte gelernt. Allerdings blieben die Zinsen nicht sehr lange so hoch. Die Finanzkrise mit ihren Auswirkungen auf das Bankensystem und generell den ganzen Wirtschaftssektor machte dem einen Strich durch die Rechnung. In kürzester Zeit senkte die Europäische Zentralbank den Leitzins einige Male um 0,5 Prozent herab. Das ging so lange bis der Prozentsatz bei den Direktbanken mittlerweile bei mageren 1,5 bis 2 Prozent ist. Man merkt diesen Tiefstand auch bei den Onlineauftritten vieler Banken. Hatte man zuvor noch wie wild den hohen Zinssatz beworben, ist dieses Bestreben ein wenig in den Hintergrund getreten. Statt der Zahl „mindestens 4 % Zinsen“ ist heute die 1,5 oder 2-Prozent-Zahl nur mehr ganz kleingedruckt zu lesen. Man muss natürlich auch fairerweise sagen, dass ja auch die Zinsen der herkömmlichen Banken in den Keller gerasselt sind und sich daher die Direktbanken mit ihren Tagesgeldkonten noch immer auszahlen. Aber nur braucht man schon einen größeren Geldbetrag um die Vermehrung auch optisch zu sehen.
Heute muss man aber nicht mehr nur im Internet nach Tagesgeldkonten suchen. Denn viele Hausbanken vertreiben mittlerweile schon beides: Einerseits bewerben sie ihre Sparbücher, aber andererseits betreiben sie die Marketingmühle auch für ihre angebotenen Tagesgeldkonten.